Fast jedes Außenrollo wird als „windstabil" verkauft. Die Angaben dahinter reichen von „Stufe 5" über „Windklasse 3" bis „bis 95 mph" — und meinen jeweils etwas anderes. Dieser Artikel ordnet die Begriffe ein und zeigt, welches Bauteil die Windlast tatsächlich aufnimmt.

„Windstabil" ohne Zahl ist keine Angabe

Ein senkrechtes Außenrollo ist im ausgefahrenen Zustand eine Fläche, auf die der Wind drückt. Der Druck wirkt auf den Stoff, der Stoff gibt die Kraft an seine Kanten ab, die Kanten geben sie an die Führung, die Führung an die Wandbefestigung. Reißt diese Kette an einer Stelle, hilft der stabilste Rest nichts.

Deshalb sind drei Fragen zu trennen:

  1. Wie viel Druck hält das System aus? (Zahl mit Einheit — nicht „stark")
  2. Nach welchem Verfahren wurde das ermittelt? (genormte Prüfung oder Herstellerangabe)
  3. Wie wird die Kraft weitergeleitet? (Führungssystem und Befestigung)

Windklassen nach EN 13561: was die Zahlen bedeuten

EN 13561 ist die europäische Norm für Markisen und Außenjalousien. Sie ordnet Produkte nach dem Winddruck ein, den sie im ausgefahrenen Zustand aufnehmen, ohne beschädigt zu werden oder ihre Funktion zu verlieren.

Windklasse Nennprüfdruck entspricht ca. Beaufort
Klasse 0 keine Anforderung — —
Klasse 1 40 N/m² ca. 28 km/h Bft 4
Klasse 2 70 N/m² ca. 38 km/h Bft 5
Klasse 3 110 N/m² ca. 49 km/h Bft 6

Klasse 3 ist das Maximum der Norm

Es gibt keine Windklasse 4, 5 oder 6 nach EN 13561. Wenn ein deutscher Hersteller „Windklasse 3" ausweist, ist das die höchste Stufe, die die Norm für diese Produktgruppe kennt — und sie entspricht rechnerisch etwa Windstärke 6, also kräftigem Wind, nicht Sturm. Kein handelsübliches Senkrechtrollo ist dafür gedacht, bei Sturm ausgefahren zu bleiben.

Beaufort ist etwas anderes als eine Windklasse

Angaben wie „windstabil bis Stufe 8" oder „bis Stufe 10" beziehen sich auf die Beaufort-Skala — eine Beschreibung der Windgeschwindigkeit, kein Prüfverfahren. Die folgende Tabelle rechnet die Skala vollständig um: Windstärke → Geschwindigkeit → äquivalenter Staudruck (q = ½·ρ·v², Luftdichte 1,225 kg/m³, gleichmäßige Anströmung — Böenspitzen liegen deutlich darüber):

Beaufort Bezeichnung km/h m/s Staudruck q
Bft 4 mäßige Brise 20–28 5,5–7,9 19–38 Pa
Bft 5 frische Brise 29–38 8,0–10,7 39–70 Pa
Bft 6 starker Wind 39–49 10,8–13,8 71–117 Pa
Bft 7 steifer Wind 50–61 13,9–17,1 118–179 Pa
Bft 8 stürmischer Wind 62–74 17,2–20,7 181–262 Pa
Bft 9 Sturm 75–88 20,8–24,4 265–365 Pa
Bft 10 schwerer Sturm 89–102 24,5–28,4 368–494 Pa
Bft 11 orkanartiger Sturm 103–117 28,5–32,6 497–651 Pa
Bft 12 Orkan ab 118 ab 32,7 ab 655 Pa

Zur Einordnung: Die Nennprüfdrücke der EN-13561-Windklassen (40/70/110 N/m²) liegen im Bereich Bft 4–6. Die statischen Prüfwerte unserer Gewebe (>1.200 bzw. >1.500 Pa, siehe unten) liegen rechnerisch oberhalb der Bft-12-Schwelle von 655 Pa — als Laborreserve, nicht als Freigabe bei Sturm.

Eine Beaufort-Angabe sagt also, bei welcher Windgeschwindigkeit der Hersteller sein System als einsatzfähig ansieht. Sie sagt nichts darüber, ob nach einem genormten Verfahren mit definiertem Prüfdruck und Sicherheitszuschlag geprüft wurde. Beides kann stimmen — es sind nur zwei verschiedene Aussagen. Wer vergleichen will, fragt beim Anbieter nach: Liegt eine Klassifizierung nach EN 13561 mit zugehöriger Dokumentation vor, oder ist die Zahl eine Herstellerangabe aus eigener Erprobung?

Warum Größe die Zahl relativiert

Winddruck wirkt auf Fläche. Aus dem Nennprüfdruck der Klasse 3 (110 N/m²) ergibt sich:

  • 200 × 200 cm = 4,0 m² → ca. 440 N (entspricht dem Gewicht von rund 45 kg)
  • 300 × 250 cm = 7,5 m² → ca. 825 N (rund 84 kg)
  • 400 × 300 cm = 12,0 m² → ca. 1.320 N (rund 135 kg)

Diese Kraft verteilt sich auf zwei Seitenprofile und deren Befestigungspunkte. Ein System, das bei 2 × 2 m unauffällig funktioniert, steht bei 4 × 3 m unter der dreifachen Last — bei gleicher Windgeschwindigkeit. Deshalb ist „windstabil" ohne Bezug zur Größe wenig aussagekräftig, und deshalb begrenzen seriöse Anbieter ihre Maximalmaße.

Das Führungssystem entscheidet, wie die Last ankommt

Die seitliche Führung ist das Bauteil, an dem sich Außenrollos technisch am deutlichsten unterscheiden. Drei Bauarten sind im Markt üblich.

Seilführung (Edelstahlseil)

Zwei gespannte Seile laufen durch Ösen oder Taschen an den Stoffkanten. Günstig, montagetolerant und unempfindlich gegen leicht unebene Wände.

  • Die Stoffkante ist nicht eingefasst — bei Wind flattert der Behang, seitlich bleiben je nach Ausführung einige Zentimeter Spalt.
  • Seile längen sich über die Zeit und müssen nachgespannt werden.
  • Die Kraft geht punktuell in die oberen und unteren Seilbefestigungen, nicht in ein durchgehendes Profil.
  • Sinnvoll bei geschützten Lagen und kleineren Breiten.

Ein Teil der auf Marktplätzen als „elektrisch, windfest" verkauften Außenrollos arbeitet mit Seilführung — erkennbar an Formulierungen wie „wire guide", „Seilspannung" oder an Produktbildern, auf denen keine seitlichen Aluprofile zu sehen sind.

Offene Führungsschiene mit Keder

Der Stoff hat einen aufgeschweißten Keder, der in einem U-Profil läuft. Deutlich stabiler als Seile, weil die Last in ein durchgehendes Aluminiumprofil geht.

  • Die Kraftübertragung ist flächig, nicht punktuell.
  • Bei starkem Druck kann der Keder aus der Nut springen, wenn die Nuttiefe knapp bemessen ist — dann muss der Behang von Hand wieder eingefädelt werden.
  • Guter Kompromiss aus Preis und Stabilität, solange die Fläche moderat bleibt.

Zip-Führung (Reißverschluss im Seitenprofil)

Beim Zip-System ist an die Stoffkante ein Reißverschluss geschweißt, der in einer Nut im Seitenprofil geführt wird und dort formschlüssig gehalten wird. Wie das mechanisch funktioniert, steht im Detail unter Was ist ein Zip-Track-Rollo.

  • Der Stoff bleibt dauerhaft unter Spannung und liegt seitlich spaltfrei an — kein Flattern, kein Insektendurchlass an den Kanten.
  • Die Windlast wird über die gesamte Höhe in das Seitenprofil eingeleitet, nicht nur an einzelnen Punkten.
  • Höherer Fertigungsaufwand: Der Reißverschluss muss zur Nutgeometrie passen, das Konfektionsmaß muss stimmen.
  • Voraussetzung für größere Breiten, weil ein flatternder Behang mit zunehmender Fläche schnell zum Problem wird.

Vergleich auf einen Blick

Seilführung Offene Schiene Zip-Führung
Kraftübertragung punktuell flächig flächig, über volle Höhe
Seitlicher Spalt mehrere cm gering spaltfrei
Flattern bei Wind deutlich gering sehr gering
Insektenschutz an der Kante nein eingeschränkt ja
Montagetoleranz hoch mittel gering (Maß muss stimmen)
Typischer Einsatz geschützte Lage, schmal mittlere Breiten Pergola, Loggia, Windlage
Relative Kosten niedrig mittel höher

Sechs Punkte, die neben der Führung zählen

  1. Wellendurchmesser. Die Wickelwelle trägt die Stofflast und darf sich nicht durchbiegen. Kleine Rollos kommen mit 45 mm aus; ab etwa 3 m Breite sind 60–78 mm üblich. Ein zu dünnes Rohr macht sich an schiefem Lauf und Falten bemerkbar, bevor der Wind überhaupt ins Spiel kommt.
  2. Seitenprofil: Tiefe und Wandstärke. Entscheidend ist, wie tief die Stoffkante im Profil geführt wird. Ein tiefes Profil hält den Behang auch dann, wenn er sich unter Druck wölbt.
  3. Befestigung und Untergrund. Die Kette endet an der Wand. Ein Zip-System an vier Dübeln in altem Wärmedämmverbundsystem ist schwächer als eine Seilführung in massivem Beton. Verlangen Sie eine Befestigungsempfehlung passend zu Ihrem Untergrund.
  4. Motor und Endlagen. Das Drehmoment (Nm) muss zu Fläche und Stoffgewicht passen. Zu knapp ausgelegte Motoren erreichen die untere Endlage bei kaltem Stoff nicht sauber, zu große schaden dem Behang bei falsch gesetzten Endpunkten. Fragen Sie nach dem Nm-Wert für Ihre Größe, nicht nach dem Modellnamen.
  5. Windsensor. Kein Führungssystem ersetzt das rechtzeitige Einfahren. Ein Windwächter, der den Behang oberhalb einer eingestellten Geschwindigkeit automatisch einfährt, ist bei freistehenden Positionen die wirksamste Einzelmaßnahme — und bei vielen Herstellern Bedingung für Garantieansprüche bei Windschäden.
  6. Stoff und Öffnungsfaktor. Gewebe mit einem Öffnungsfaktor von etwa 1–5 % lassen einen Teil des Windes durch und bauen damit weniger Druck auf als geschlossene PVC-Bahnen. Geschlossene Stoffe verdunkeln und schützen besser vor Regen, erhöhen aber die Last auf Führung und Befestigung.

Standort einordnen

Die gleiche Konstruktion steht an zwei Häusern unterschiedlich stark im Wind:

  • Loggia oder Nische zwischen zwei Wänden: geschützt, geringere Anforderungen.
  • Freistehende Pergola im Garten: Wind greift von allen Seiten an, Böen können den Behang auch von innen nach außen drücken.
  • Obergeschoss und Dachterrasse: Windgeschwindigkeit nimmt mit der Höhe zu.
  • Passage zwischen Gebäuden: Düseneffekt, die örtliche Geschwindigkeit liegt über der Wettervorhersage.
  • Küsten- und Höhenlagen: häufigere Starkwindereignisse, dazu Salz- bzw. UV-Belastung des Materials.

Faustregel: Je freier die Position, desto eher lohnt die Zip-Führung — und desto wichtiger ist der Windsensor.

Was wir zu HyberShade-Rollos angeben

Unser elektrisches Außenrollo ZT06 arbeitet mit Zip-Führung in Aluminium-Seitenprofilen. Das System ist nach JG/T 274-2018 (chinesische Baunorm für Gebäude-Sonnenschutz) mit Windklasse 10 geprüft — der höchsten Stufe dieser Norm; der Prüfbericht liegt vor und wird auf Anfrage bereitgestellt. Eine Klassifizierung nach EN 13561 haben wir (noch) nicht — eine EU-Windklasse weisen wir erst aus, wenn die entsprechende Prüfung vorliegt. Wir halten diese Trennung für die ehrlichere Auskunft als eine Zahl ohne Normbezug, und Sie sollten dieselbe Frage jedem anderen Anbieter stellen.

Die Messwerte hinter der Angabe — und ihre Grenzen

Kennwert Wert Herkunft
Windklasse 10 (Höchststufe der Norm) Systemprüfung nach JG/T 274-2018, Zip-Führung beidseitig im Eingriff
Statischer Winddruck, Standard-Verdunkelungsgewebe >1.200 Pa Statische Druckprüfung des Herstellers, Gewebe in Zip-Seitenprofilen gespannt
Statischer Winddruck, Outdoor-Screengewebe (PVDF-beschichtet, hochfest) >1.500 Pa Gleicher Prüfaufbau
Dauerlauf Öffnen/Schließen 67.802 Zyklen ohne Ausfall Zyklustest (≈ 2 Fahrten/Tag über 90 Jahre)

Was bedeutet 1.200 Pa als Windgeschwindigkeit? Staudruck q = ½·ρ·v². Bei Luftdichte 1,225 kg/m³ entsprechen 1.200 Pa einer gleichmäßigen Anströmung von rund 44 m/s (≈ 158 km/h) auf die gesamte Fläche — deutlich über der Schwelle von Beaufort 12 (32,7 m/s).

Statischer Winddruck vs. äquivalente Windgeschwindigkeit q = ½·ρ·v² · Luftdichte ρ = 1,225 kg/m³ · Laborwerte — Grenzen siehe Text 01020304050040080012001600 Statischer Druck (Pa) Windgeschwindigkeit (m/s) Beaufort-12-Schwelle — 32,7 m/s (655 Pa) Standard-Verdunkelungsgewebe >1.200 Pa ≈ 44 m/s (158 km/h) Outdoor-Screengewebe (hochfest) >1.500 Pa ≈ 49 m/s (178 km/h) Quelle: statische Druckprüfungen des Herstellers, Gewebe in Zip-Seitenprofilen · Windklasse 10 (JG/T 274-2018)

Die Grenzen der Zahlen — vor jedem Prospektvergleich lesen:

  • Statischer Labordruck ist nicht böiger Standortwind: reale Böen wirken stoßartig und lokal, Ermüdung über Jahre kommt hinzu. Ein Laborwert beschreibt die Reserve, nicht die Freigabe bei Sturm.
  • Der Wert gilt für die geprüfte Konfiguration: Reißverschluss beidseitig voll im Eingriff, geprüfte Feldgröße. Größere Spannweiten senken die Reserve (Wellendurchbiegung).
  • Die Befestigung entscheidet mit: Der beste Wert nützt nichts, wenn die Schiene auf ungeeignetem Untergrund montiert ist (siehe Checkliste).
  • Bei Sturmwarnung fahren Sie das Rollo ein — unabhängig von jeder Klasse. Auf exponierten Lagen ist ein Windsensor die bessere Investition als eine höhere Prospektzahl.

Zur Einordnung der Kosten (eigene Marktbeobachtung, Stand 08/2026): Elektrische Zip-Rollos deutscher Anbieter liegen bei 200 × 200 cm konfiguriert häufig im Bereich von etwa 700–1.050 € inkl. MwSt., bei Lieferzeiten von drei bis sechs Wochen. Auf Marktplätzen finden sich Außenrollos ab rund 150 €, dann jedoch überwiegend als Fixmaß mit Seilführung.

Checkliste für Ihre Anfrage

Kopieren Sie diese Punkte in Ihre Anfrage — bei uns wie bei jedem anderen Anbieter:

  • Welches Führungssystem: Seil, offene Schiene oder Zip?
  • Liegt eine Windklasse nach EN 13561 vor, oder ist die Windangabe eine Herstellerangabe?
  • Bis zu welcher Breite und Höhe gilt die Angabe?
  • Wellendurchmesser und Motordrehmoment für mein konkretes Maß?
  • Befestigungsempfehlung für meinen Untergrund (Beton, Ziegel, Holz, WDVS)?
  • Ist ein Windsensor verfügbar, und ist er Bedingung für die Garantie?
  • Öffnungsfaktor des Stoffes und Farboptionen?
  • Lieferzeit ab Auftragsbestätigung — Produktion und Transport getrennt ausgewiesen?

Häufige Fragen

Reicht Windklasse 3 für eine freistehende Pergola? Klasse 3 entspricht rechnerisch etwa Windstärke 6. Für Alltagswind ist das ausreichend; bei angekündigtem Sturm sollte der Behang eingefahren werden — unabhängig von der Klasse. Bei freien Positionen ist ein Windsensor die sinnvollere Investition als eine höhere Zahl im Prospekt.

Kann ich eine Seilführung nachträglich auf Zip umrüsten? In der Regel nicht wirtschaftlich. Reißverschluss, Stoffbreite und Nutgeometrie müssen zueinander passen; faktisch wird der komplette Behang samt Seitenprofilen ersetzt.

Warum begrenzen Anbieter die Maximalbreite unterschiedlich? Zwei Gründe überlagern sich: Statik (Wellendurchbiegung und Windlast) und Logistik (durchgehende Profile über etwa 3 m sind im Paketversand nicht mehr transportierbar). Größere Breiten sind technisch machbar, laufen aber über Speditionsversand oder geteilte Profile.

Maß und Richtwert in zwei Minuten

Wenn Sie Ihre Öffnung bereits gemessen haben — die vier Schritte dazu stehen in unserer Messanleitung —, können Sie Breite, Höhe und Antriebsart in den Preisrechner eingeben und bekommen sofort eine Preisspanne für Ihre Konfiguration. Für Sondermaße, geteilte Profile oder mehrere Öffnungen schicken Sie uns die Maße über das Anfrageformular; wir antworten mit einem konkreten Vorschlag inklusive Befestigungshinweis.