Wer eine Terrasse oder einen Balkon beschatten will, landet fast immer bei einer dieser beiden Bauarten: der klassischen Gelenkarmmarkise, die horizontal über die Fläche ausfährt, oder der senkrechten Zip-Markise, deren Behang in seitlichen Führungsschienen läuft. Beide verschatten — aber sie lösen unterschiedliche Probleme. Dieser Vergleich geht die Entscheidungskriterien der Reihe nach durch, mit Zahlen statt Adjektiven.

Zwei Bauprinzipien, zwei Aufgaben

Eine Gelenkarmmarkise ist ein horizontales Dach auf Zeit: Zwei gefederte Arme drücken das Tuch von der Wand weg über die Terrasse, typisch 1,5 bis 4 m weit. Sie beschattet die Fläche unter sich — den Tisch, die Liegen, das Wohnzimmerfenster darunter.

Eine Zip-Markise (auch Zip Screen oder Senkrechtmarkise mit Reißverschlussführung) schließt eine vertikale Öffnung: die offene Seite einer Pergola, die Front einer Loggia, ein großes Fenster. An die Stoffkanten ist ein Reißverschluss geschweißt, der formschlüssig in einer Nut der Seitenprofile läuft — der Behang ist damit an beiden Kanten über die gesamte Höhe gehalten. Das Funktionsprinzip im Detail steht unter Was ist ein Zip-Track-Rollo.

Schon daraus folgt die erste Weiche: Wollen Sie eine Fläche überdachen oder eine Öffnung schließen? Wer beides will, braucht am Ende beides — dazu unten mehr.

Windverhalten: der größte technische Unterschied

Hier liegen die beiden Bauarten am weitesten auseinander.

Die Gelenkarmmarkise ist bei Wind konstruktiv im Nachteil. Das ausgefahrene Tuch ist eine horizontale Fläche, die nur an der Wand und an der vorderen Ausfallstange gehalten wird; die Seiten sind frei. Böen greifen von unten unter das Tuch und arbeiten mit Hebelwirkung an Armen und Konsolen. Viele Gelenkarmmarkisen im Handel sind nach EN 13561 in Windklasse 2 eingestuft — Nennprüfdruck 70 N/m², rechnerisch etwa 38 km/h, also Windstärke 5. Die Hersteller selbst empfehlen, oberhalb davon einzufahren, und machen einen Windwächter häufig zur Bedingung für Garantieleistungen bei Windschäden. Praktisch heißt das: An böigen Tagen bleibt die Markise eingefahren, genau dann, wenn Sie den Wetterschutz vielleicht gebraucht hätten.

Die Zip-Markise steht senkrecht und ist beidseitig geführt. Die Windlast geht nicht in zwei frei tragende Arme, sondern über die Reißverschlussführung kontinuierlich in zwei Aluminiumprofile und von dort in die Befestigung. Für unser System liegt ein Fabriktest vor, in dem das Gewebe samt Zip-Kante einem Druck von über 1.200 Pa standhielt — zur Einordnung: Der Nennprüfdruck der höchsten EN-13561-Windklasse (Klasse 3) beträgt 110 N/m². Das ist eine Herstellerangabe aus der Materialprüfung, keine EN-Klassifizierung des Gesamtsystems; sie zeigt aber, dass die Kette Stoff–Reißverschluss–Profil in einer anderen Größenordnung belastbar ist als ein seitlich offenes Tuch.

Kurz: Die Gelenkarmmarkise muss dem Wind ausweichen, die Zip-Markise kann ihm in weiten Bereichen stehen bleiben. Wer an der Küste, am Hang oder im Obergeschoss wohnt, sollte diesen Punkt hoch gewichten.

Schattenwurf: horizontal gegen vertikal

Die Sonne steht nicht still, und genau daran scheiden sich die beiden Bauarten.

  • Mittagssonne (Sommer, Mitteleuropa: 60–65° Höhe): Die Gelenkarmmarkise ist hier in ihrem Element. Sie wirft Schatten direkt auf die Fläche darunter. Die Zip-Markise beschattet mittags nur einen schmalen Streifen hinter der Öffnung.
  • Tiefe Sonne am Nachmittag und Abend (unter ca. 30° Höhe, West-/Südwestlage): Jetzt kehrt sich das Bild um. Die flach einfallende Sonne läuft unter dem horizontalen Tuch hindurch — auf der Westterrasse blendet es ab 17 Uhr trotz Markise. Die senkrechte Zip-Markise fängt genau diese tiefe Sonne ab und nimmt zugleich die Blendung, auch am Bildschirm im Raum dahinter.

Faustregel: Südterrasse mit Mittagsproblem → Markise. West- oder Ostseite mit Blendproblem → Zip. Viele Terrassen haben beides — deshalb ist die Kombination aus Pergola/Markise oben und Zip-Screens an den Seiten in Süd­europa seit Jahren Standard.

Privatsphäre und Insekten

Die Gelenkarmmarkise schirmt nach oben ab, nicht zur Seite: Blicke vom Nachbargrundstück und aus dem Garten bleiben frei, Mücken sowieso.

Die Zip-Markise schließt die Öffnung dagegen bis auf wenige Millimeter. Bei Geweben mit 1–5 % Öffnungsfaktor sehen Sie tagsüber hinaus, während von außen bei normalem Licht kaum etwas hineinzuerkennen ist (nachts bei Innenbeleuchtung kehrt sich das um — dann hilft nur geschlossener Stoff). Weil der Reißverschluss in der Nut läuft, bleibt an den Kanten kein Spalt: Der Behang wirkt zugleich als Insektenschutz über die volle Fläche. Für überdachte Sitzplätze, auf denen abends gegessen wird, ist das oft der Punkt, der die Entscheidung dreht.

Preisrahmen (eigene Marktbeobachtung, Stand 08/2026)

  • Gelenkarmmarkise: Marktplatzware mit Handkurbel ab etwa 250–600 €. Motorisierte Markenware mit 4–5 m Breite und Montage liegt in Deutschland meist bei 1.800–3.500 €, Kassettenmodelle darüber.
  • Zip-Markise: Elektrische Systeme deutscher Anbieter bei 200 × 200 cm häufig im Bereich 700–1.050 € inkl. MwSt.; größere Öffnungen entsprechend mehr. Marktplatz-Senkrechtrollos ab rund 150 € arbeiten überwiegend mit Seilführung — das ist eine andere, windanfälligere Bauart, kein Zip-System.

Bezogen auf die geschützte Öffnung ist die Zip-Markise damit häufig der günstigere Einstieg; die Markise kauft man für die Fläche, den Zip für die Öffnung — ein direkter Preisvergleich pro Quadratmeter führt in die Irre.

Wartung und Lebensdauer

Die Gelenkarmmarkise hat die aufwendigere Mechanik: Gelenke, Federpakete bzw. Gasdruckelemente und die Tuchspannung wollen kontrolliert werden; ein durchhängendes Tuch ist der häufigste Alterungseffekt. Wasser darf auf dem fast waagerechten Tuch nicht stehen bleiben — bei Regen heißt es einfahren oder mindestens 14° Neigung vorsehen.

Die Zip-Markise kommt mit weniger bewegten Teilen aus: Welle, Motor, zwei Führungen. Unser System hat im Fabriktest über 60.000 Öffnungs- und Schließzyklen absolviert — bei zwei Fahrten pro Tag rechnerisch ein Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Der senkrechte Behang lässt Regen ablaufen und kann bei normalem Regen ausgefahren bleiben. Für Objekte mit Brandschutzauflagen sind Gewebe mit B1-Klassifizierung bzw. NFPA-701-Zertifikat verfügbar (Zertifikate vorhanden).

Entscheidungstabelle

Kriterium Gelenkarmmarkise Zip-Markise
Beschattet Fläche darunter Öffnung / tiefe Sonne
Windverhalten Klasse 2 üblich (~38 km/h), einfahren beidseitig geführt, Gewebetest > 1.200 Pa
Tiefstehende Sonne läuft unter dem Tuch durch wird abgefangen
Sichtschutz seitlich nein ja (tagsüber, je nach Gewebe)
Insektenschutz nein ja, kantendicht durch Zip
Regen einfahren bzw. ≥ 14° Neigung kann ausgefahren bleiben
Preis Einstieg motorisiert ca. 1.800–3.500 € (4–5 m, montiert) ca. 700–1.050 € (200 × 200 cm)
Wartung Arme, Federn, Tuchspannung wenige bewegte Teile

Häufige Fragen

Kann ich beides kombinieren? Ja, und bei freien Terrassen ist das oft die schlüssigste Lösung: Markise oder Pergoladach gegen die Mittagssonne, Zip-Screens an den wetter- und blickoffenen Seiten. Beides lässt sich getrennt steuern.

Ersetzt die Zip-Markise ein Terrassendach? Nein. Sie schließt vertikale Öffnungen, überdacht aber keine Fläche. Ohne vorhandenes Dach oder Pergola bleibt die Fläche nach oben offen.

Was ist mit seitlich geführten Senkrechtmarkisen ohne Zip? Seil- und offene Schienenführung sind günstiger, halten den Behang aber nicht kantendicht und übertragen die Windlast punktueller. Die Unterschiede der drei Führungsarten haben wir im Windstabilitäts-Artikel im Detail aufgeschlüsselt.

In zwei Minuten zum Richtwert

Wenn die Entscheidung Richtung Zip-Markise geht: Messen Sie Breite und Höhe Ihrer Öffnung — die Schritte stehen in der Messanleitung — und geben Sie beides in den Preisrechner auf unserer Startseite ein. Sie erhalten sofort eine Preisspanne für Ihre Konfiguration; für Sondermaße oder mehrere Öffnungen schicken Sie uns die Maße über das Anfrageformular.